Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Auch wenn man lange Jahre in der Türkei lebt, gibt es doch immer wieder Stolperfallen, Fragen, Probleme - aber auch Schönes und Interessantes rund um die Kultur und das gesellschaftliche Leben in der Türkei. Auch Fragen zu Religion oder Kindererziehung + Schule gehören hier rein. *NUR FÜR REGISTRIERTE BENUTZER*

Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon Martina » Di 16. Okt 2012, 16:55

Dieses Jahr fällt Kurban Bayram, das Opferfest, auf den 25.10. - 28.10., dann folgt am 29.10. der Cumhuriyet Bayram, der Nationalfeiertag.
Schulferien beginnen am Mittwoch, den 24.10. (Arife günü) und der erste Schultag ist dann am 30.10.

Bedeutung des Opferfestes

Ein Höhepunkt im islamischen Kalender ist das Opferfest ( Kurban Bayrami oder Eid al-Adha (arabisch), der Höhepunkt des Pilgermonats Hadsch.
Für viele Ausländer unverständlich ist das Schlachten eines Opfertiers, mit dem An die Bereitschaft Abrahams erinnert werden soll, das Leben seines Sohnes für Gott hinzugeben, und ihm gestattet wurde, ein Schaf stattdessen zu opfern.
Mittlerweile ist es in der Türkei gesetzlich verboten, selbst Hand an das Opfertier zu legen, wenn man keinen entsprechenden Kurs nachweisen kann. Auch wenn das immer noch gerne ignoriert und hinter dem Haus geschlachtet wird, tritt doch seit Jahren ein Wandel ein. Oftmals wird gar nicht mehr selbst geschlachtet, sondern das Opfertier wird verpackt und portioniert frei Haus angeliefert. Alle großen Supermärkte von Migros bis Metro bieten diesen Service an.

Geste des Gebens
Jedes erwachsene Familienmitglied, das wirtschaftlich dazu in der Lage ist, sollte am ersten oder zweiten Tag des Festes ein Tier, Schaf oder Kalb, als Opfer schlachten lassen. Das Fleisch des Tieres soll in drei Teile aufgeteilt werden und sowohl den Familienangehörigen als auch den Verwandten und Nachbarn und dann den Bedürftigen zukommen. Interessant ist, dass die Scharia, das islamische Religionsgesetz, ausdrücklich darauf hinweist, dass der Anteil des Nachbarn auch an einen christlichen oder jüdischen Nachbarn weitergegeben werden kann.

Höhepunkt des Pilgermonats Hadsch

Das Opferfest folgt auf den „Tag von Arafat“, an dem Millionen von Pilgern in der baumlosen Ebene von Arafat vor Mekka einen Tag lang vor Gott im Gebet ausharren.
Am darauffolgenden Tag, dem Opferfest selbst wird dann ein Tier geschlachtet und mit diesem Opfer an Ibrahim (Abraham) erinnert.
Ursprünglich war das Tier, das geopfert wurde, die Lebensgrundlage des nomadischen Menschen. Ein Tier zu opfern, zu töten, heisst damit auch diese Lebensgrundlage schmälern und ganz real ein Stück mehr auf Gott vertrauen im „Kampf“ ums Dasein. Daneben steht das Teilen des Fleisch des Opfertieres mit anderen, den Mittellosen, und dann wird aus dem unmittelbaren Gottvertrauen vielleicht Dankbarkeit und das Bewusstsein des reich gesegnet Seins.

Festtage
Die Festlegung des Opferfestes unterliegt den Besonderheiten des islamischen Kalenders, eines Jahreskalenders mit 12 Mondmonaten zu 29 oder 30 Tagen von Neumond zu Neumond. Somit ist das islamische Jahr um 10 Tage kürzer als das Sonnenjahr und damit wandern auch alle islamischen Festtermine jedes Jahr in unserem Kalender um 10 Tage nach vorne.
Das viertägige Opferfest beginnt in den Moscheen am frühen Morgen mit einem relativ kurzen Festgebet mit Predigt. Die Moscheen sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem Gebet werden Süßigkeiten herumgereicht und vor der Moschee begrüßen und beglückwünschen sich alle.
Die folgenden Tage werden genutzt, um die Kinder zu beschenken und Verwandte und Freunde zu besuchen. Es ist weiterhin Brauch, sich vor dem Fest neu einzukleiden. Es ist auch üblich, Angestellten (besonders geringer verdienenden) einen Umschlag mit etwas Geld vor dem Fest zuzustecken, damit dieses schön begangen werden kann.
An den Feiertagen selbst werden wieder jede Menge geschniegelte Kinderhorden unterwegs sein, klingeln und brav ihr Sprüchlein aufsagen „Bayramız kutlu olsun!‘ und dafür mit Süßigkeiten belohnt werden. Geld zu geben ist hier eher unüblich.
Wir wünschen Frohe Festtage!

(aus dem neuen Türkis Magazin vom 15.10.12 - ich bin ja lärnfehig. oder so [15733.gif] )
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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon Sanne » Di 16. Okt 2012, 21:38

Danke Martina! Wieder was dazu gelernt, ich finde es wichtig, dass man ein bisschen Bescheid weiß wenn man hier wohnt.

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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon baykuş » Mi 17. Okt 2012, 09:41

Auch ein Dankeschön von mir an Martina [15719.gif]
Gruß aus Kiel Bernd
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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon Gudrun » Mi 17. Okt 2012, 12:52

Hallo, danke auch für diese Informationen, ich hätte aber noch eine Frage dazu: Wenn man vom Nachbarn mit einem Fleischpaket beschenkt wird, was tut man dann ? ich habe 0-Ahnung wie man dann darauf üblicherweise reagieren sollte, wir sind zwar noch 3 Jahre vom "Immerdasein" entfernt, aber ich denke es ist schon wichtig zu wissen wie man sich dann verhält , ich möchte auf keinem Fall jemanden unwissentlich kränken und wissentlich schon gar nicht...

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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon Martina » Mi 17. Okt 2012, 21:45

Einfach ganz nett danke sagen und am besten "allah bereket versin" (etwa: Allah soll Segen bringen) und wenn Du hast, ihm etwas Süßes mitgeben (z.B. Kuchen oder Baklava) [15733.gif]

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man es bei Ausländern gar nicht so eng sieht - die Leute sind ja auch nicht doof und wissen, dass der Ausländer evtl. die "Sitten" nicht kennt. Wenn Dir aber einer ein Fleischpaket bringt, ist das ein Zeichen dafür, dass Du akzeptiert wirst. Und dann kommt es einfach drauf an, dass Deine Reaktion von Herzen kommt und nicht, dass Du genauso reagierst, wie es die Tradition verlangen würde.

PS. so hoch würde ich das auch nicht hängen, ich hab noch nie ein Fleischpaket bekommen, ich glaube, das ist in der Stadt ziemlich aus der Mode [117.gif] - eher wird man dann zum Grillen und/oder Fleischessen eingeladen, da wird oft das noch frische Fleisch sofort auf den Grill geworfen, oft - gerade wenn´s ein Rind war - ein eher zweifelhaftes Vergnügen, da das Viech ja nicht abgehangen ist....
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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon KuK » Sa 20. Okt 2012, 13:21

Vielen Dank Martina für den Bericht , auch hier in Deutschland haben wir Bekannte die Moslem sind und diesen Tag feiern, können uns jezt richtig verhalten, auch wenn
wir kein Fleisch bekommen. Aber in Alanya in der Wohnung sind wir mit unserem Nachbar ( Bauer mit einigen Ziegen) gut bekannt (sprachliche Schwierigkeiten) wenn
wir irgend wann zum Opferfest in Alanya, sind werden wir bestimmt auch von seiner Seite bedacht. Jetzt sind es zur Begrüßung von uns aus Deutschland Süßigkeiten und von ihm Weintrauben oder Granatäpfel. So stelle ic h mir aber unser miteinander in Alanya vor. Gruß KuK
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Re: Wissenswertes zum Opferfest - Kurban Bayramı

Beitragvon Gudrun » Mo 22. Okt 2012, 12:03

Hallo,
ja so ist es eigentlich bei uns auch, habe aber nie bewußt darüber nachgedacht-wenn wir aus Deutschland kommen ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, daß wir unserem Hausmeister und Nachtwächter ein kleines Dankeschön für ihre Arbeit mitbringen und ich bekomme wiederum für den gesamten Urlaub leckere frische Gurken gratis geschenkt und sehr oft werden wir von Mitbewohnern der Wohnanlage unter der Weinlaube zum Tee einladend rangewinkt wenn wir vom Strand od. sonstwoher kommen und für die Kinder haben wir stets eine Kleinigkeit im Haus...
also glaube ich auch, daß man vielleicht über unsere Unwissenheit schmunzeln aber es uns nicht übel nehmen würde uns wurde in all den Jahren stets mit Freundlichkeit begegnet und wir hatten nie einen Grund es nicht auch gleichzu- tun -ich möchte schon sagen, daß unser Miteinander in der netten kleinen "gemischten" Wohnanlage kein Grund zum Klagen gibt .. also dann wünsche ich allen ein schönes und friedliches Fest......

mfg. Gudrun
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